{"id":171,"date":"2025-09-09T19:59:13","date_gmt":"2025-09-09T17:59:13","guid":{"rendered":"https:\/\/flywithnessa.de\/?p=171"},"modified":"2025-09-09T20:06:17","modified_gmt":"2025-09-09T18:06:17","slug":"wie-die-liebe-mich-nach-berlin-brachte-und-die-stadt-mich-behielt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/flywithnessa.de\/?p=171","title":{"rendered":"Wie die Liebe mich nach Berlin brachte \u2013 und die Stadt mich behielt"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich war alles ganz anders geplant. Vern\u00fcnftig. Strukturiert. Ich wollte erst noch mein erstes Jahr Abitur fertig machen, drei Monate durchhalten, und&nbsp;<em>dann<\/em>&nbsp;nach Berlin ziehen. So hatte ich es mir vorgenommen. Doch Pl\u00e4ne haben es an sich, dass sie manchmal leiser sind als die Sehnsucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach drei Wochen in Berlin \u2013 bei meinem damaligen Freund \u2013 musste ich zur\u00fcck aufs Dorf, zur\u00fcck in mein Kinderzimmer. Zur\u00fcck zu Ruhe, Routinen und den immer gleichen Wegen. Doch nach nur einer Woche war klar: Ich halte das nicht aus. Die Sehnsucht war lauter als jede Vernunft. Ich wollte zur\u00fcck zu ihm. Ich wollte zur\u00fcck nach Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p>Also packte ich mein Leben zusammen. Mein \u201eUmzugsunternehmen\u201c hie\u00df DHL: drei Pakete Gr\u00f6\u00dfe L, gef\u00fcllt mit allem, was mir wichtig erschien. Mein Kinderzimmer in Kartons verpackt, frankiert und verschickt. Dazu ein gro\u00dfer Koffer, den ich selbst hinter mir herzog, und ein Ticket f\u00fcr den ICE Richtung Hauptstadt. Ich war 21, wohnte noch bei meinen Eltern \u2013 und pl\u00f6tzlich auf dem Weg in ein neues Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mama so:&nbsp;<em>\u201eIch versteh dich. Du hast hier ja nix, und in Berlin haste schon Freunde und ne Grundlage.\u201c<\/em><br>Sie verabschiedete mich zuhause, mit einem langen Blick, der alles sagte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Papa? Hat sogar mit angepackt. Wir haben die Sachen zusammen in die DHL-Filiale gekarrt. Als die Pakete weg waren, dachte ich nur: \u201eSo, M\u00e4del. Jetzt gibbet kein Zur\u00fcck mehr.\u201c Er brachte mich dann auch zum Bahnhof. Der Moment, als er mich dort absetzte, war hart. Ich hatte Tr\u00e4nen in den Augen, weil ich sp\u00fcrte: Ich lasse hier meine ELTERN, meine FAMILIE &amp; mein altes &#8222;Leben&#8220; zur\u00fcck. Gleichzeitig wusste ich: Genau dieses Leben h\u00e4lt mich unten. Ich war schwer depressiv, gefangen zwischen Routine und Enge, und ich wusste: So will und so kann ich nicht mehr leben. Wenn ich bleibe, gehe ich kaputt. Also musste ich gehen.<br><br><strong>Anders, als manche denken, fiel es mir nicht leicht, meine ELTERN und meine FAMILIE zu verlassen. Aber mir war klar: Wenn ich hier bleibe, werde ich nicht mehr lange leben wollen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dann stieg ich in den ICE \u2013 3 1\/2 Stunden geplant, 6 warn\u2019s am Ende (Danke, Bahn \ud83d\ude0f). Neben mir der goldene XXL-Koffer, unterm Arm der Laptop, im Ohr&nbsp;<em>Grey\u2019s Anatomy<\/em>. Mit jeder Station Richtung Hauptstadt wurde ich kribbeliger. Ich dachte nur:&nbsp;<em>\u201eJo, das ist jetzt mein Neuanfang.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vom Dorf in die Gro\u00dfstadt<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>01. Mai 2021.<\/strong>&nbsp;Tag der Arbeit, Tag des Wandels.<br>Dorf: 23.554 Einwohner \u2192 Berlin: 3,69 Millionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und pl\u00f6tzlich war alles anders. Von Feldwegen und \u201eJeder kennt jeden\u201c ging\u2019s zu hupenden Autos, U-Bahnen im F\u00fcnf-Minuten-Takt und Menschenmassen ohne Ende. Klar, Alltag hatte ich auch hier \u2013 einkaufen, W\u00e4sche machen, selber klarkommen. Aber das Geile an Berlin? Keiner kennt dich. Keine Vorurteile, kein \u201eAch, dat is doch die Tochter von \u2026\u201c. Pl\u00f6tzlich war ich nur noch eine von Millionen. Anonym. Frei.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Meine erste Hood<\/h3>\n\n\n\n<p>Am Anfang bin ich erstmal in der&nbsp;<strong>c-base<\/strong>&nbsp;gelandet \u2013 einer Hacker- und Nerd-Location. Ganz ehrlich? Damit konnte ich damals noch \u00fcberhaupt nichts anfangen. War nicht meine Welt, zu fremd, zu abgefahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine erste richtige Hood war dann die&nbsp;<strong>Gegend rund um den U-Bahnhof Franz-Neumann-Platz<\/strong>. Kein Schickimicki, kein Szene-Kiez \u2013 aber f\u00fcr mich: Heimat 2.0. Und da hab ich zum ersten Mal gedacht:&nbsp;<em>\u201eEy, ich leb hier jetz. Wtf.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Berlin ver\u00e4ndert<\/h3>\n\n\n\n<p>R\u00fcckblickend war der Umzug nicht nur von A nach B, sondern ein kompletter Wendepunkt. Berlin hat mich selbstst\u00e4ndiger gemacht, mutiger,&nbsp;<strong>selbstbewusster<\/strong>. Im Dorf war ich immer \u201edie Tochter von \u2026\u201c, \u201edie mit dem komischen Gesicht\u2026\u201c. In Berlin? Einfach nur ich. Einer von Millionen. Ohne Etikett, ohne Ballast. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich bin in Berlin erst wirklich ich selbst geworden. In Berlin habe ich gemerkt, wer ich eigentlich bin \u2013 wer Nessa ist!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und genau hier, zwischen U-Bahn-Rattern, Menschenmassen und endlosen M\u00f6glichkeiten, bin ich wirklich ich selbst geworden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p>Mach, mach, mach! Dieses Gef\u00fchl, Wahl-Berlinerin zu sein, kommt bis heute immer wieder hoch. Aber so richtig offiziell wars erst, als ich den Ausweis in der Hand hatte \u2013 schwarz auf wei\u00df:&nbsp;<strong>Wohnort: Berlin.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ob ich\u2019s bereue? Kein St\u00fcck. Wenn ich meinem 21-j\u00e4hrigen Ich was sagen k\u00f6nnte, dann nur eins:&nbsp;<em>\u201eMach, M\u00e4del! Am besten noch fr\u00fcher! Mach es genauso! MACH MACH MACH!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich war alles ganz anders geplant. Vern\u00fcnftig. Strukturiert. Ich wollte erst noch mein erstes Jahr Abitur fertig machen, drei Monate durchhalten, und&nbsp;dann&nbsp;nach Berlin ziehen. So hatte ich es mir vorgenommen. Doch Pl\u00e4ne haben es an sich, dass sie manchmal leiser sind als die Sehnsucht. 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